Rakhi – ein indischer Traum: vom Müllkind zum Schulmädchen

Rakhi 410 klein

In unserer Vereinsmail fanden wir Mitte Oktober folgende Anfrage von Fam. Schober:

„Wir sind gerade auf einer Reise durch Rajasthan. Rein zufällig kreuzten sich unsere Wege oft zweimal täglich mit einem Müll sammelnden Mädchen. Rakhi ist 13 Jahre jung, hat mehrere Schwestern und besucht keine Schule, spricht also somit auch kein Englisch. Wir sind von der Herzlichkeit und dem Charme des Mädchens dermaßen überwältigt, dass wir es gerne, auf welche Art auch immer, unterstützen möchten. Wir sind mit ihr ein paarmal zum Omelette-Essen am Clock Tower gegangen. Was wir von ihr wissen, hat uns der Omelette-Mann übersetzt.

Unser Hotel in Jodhpur war in der Nähe der SAMBHALI TRUST-Boutique. Hier haben wir ein wunderschönes Kamel und eine Bluse für Monika gekauft – und einen Flyer über das SHAMBALI TRUST-Projekt in deutscher Sprache bekommen. Als Kontaktadresse war Ihre E-Mail-Adresse angegeben. Unsere Frage nun: Kennen Sie einen Weg, das Mädchen entweder durch einen Schulbesuch oder evtl. die Teilnahme an den Sambhali Empowerment Centres in Jodhpur zu unterstützen? Vorausgesetzt natürlich, Rakhi möchte dies auch haben?“

„Freunde für Sambhali“ hat dann Herrn und Frau Schober mit dem Leiter des Sambhali Trust, Govind Rathore, in Verbindung gebracht, damit vor Ort eine Lösung gefunden werden kann.  

Rakhi Blog

Einige Wochen später erreichte uns der Fortsetzungsbericht:

„Wenn ich an die sechs Wochen Rajasthan zurückdenke, frage ich mich immer öfter, habe ich das wirklich alles erlebt oder was das nur ein Traum!

Aber ich denke, dass Sie am meisten interessiert, wie es mit unserem Mädchen Rakhi weitergegangen ist. Nachdem wir uns von unserem Freund in Delhi verabschiedet hatten, sind wir wieder nach Jodhpur gefahren. Wir wussten noch von unserem letzten Aufenthalt, dass Rakhi so ungefähr ab 16 Uhr unterwegs ist und Müll sammelt. Es dauerte dann auch nicht lange, bis wir sie in der Nähe des Clock Towers fanden. Sie freute sich riesig, als sie uns sah. Wir „unterhielten“ uns ein wenig, gingen zum Omelette-Shop, aßen Omelettes und tranken anschließend frisch gepressten Orangensaft. Wir hatten bereits nachmittags Ghanshyam (Omelette-Mann) informiert, was wir mit Rakhi vorhaben und ob er uns beim Übersetzen behilflich sein möchte. Er war natürlich einverstanden. Wir gingen mit Rakhi und Ghanshyam in einen kleinen Raum am Omelette-Shop. Ich sagte Rakhi, dass wir sie sehr gerne haben, sie sehr schätzen und ob sie sich nicht vorstellen könnte, zur Schule zu gehen. Ghanshyam übersetzte. Am Anfang war sie sehr zögerlich, sagte, dass sie doch Müll sammeln müsse, ihr Onkel das bestimmt nicht erlauben würde und sie für sowas kein Geld hätten. Ich sagte, dass wir für die Kosten des Schulbesuches aufkommen würden und es für alles eine Lösung geben würde. Sie war dann hell auf begeistert und fragte, ob wir zu ihr nach Hause kommen möchten. Wir gingen dann natürlich mit. Als wir dann in der Nähe ihres Hauses ankamen, nahm Rakhi mich an die Hand und sagte jedem, dass sie morgen zur Schule gehen würde. Uns schlossen sich immer mehr Leute an, als wir dann bei Rakhis „Haus“ waren, hatten wir eine Meute von ca. 25 Personen hinter uns. Es war gigantisch. Bei Rakhis Haus angekommen, war die Gastfreundschaft überwältigend. Uns wurde sofort ein Platz angeboten, wir bekamen etwas zu trinken und Rakhi stellte uns ihren Onkel und ihre Tante und den Rest der Familie vor. Wir hatten Rakhi bereits am Nachmittag den Flyer vom Sambhali Trust gegeben, den wir in der Sambhali-Boutique bekommen hatten. Wir waren ungefähr eine Stunde bei der Familie. Onkel und Tante waren einverstanden und wir verabredeten uns für den nächsten Tag um 11 Uhr am Clock Tower. Ich gab Govind noch Bescheid und war überglücklich. Am nächsten Tag dann die Ernüchterung: 11 Uhr, keine Rakhi, 12 Uhr immer noch nicht, um 12:30 Uhr kam sie dann, Gesicht wie eine Zitrone. Sie sagte, dass ihr Vater im Krankenhaus wäre, und sie ihn heute Nachmittag besuchen müsse. Vielleicht könnten wir morgen zur Schule gehen. Na ja, was sollten wir machen. Wir verabredeten uns wieder für 11 Uhr. Am nächsten Tag, 11 Uhr, keine Rakhi, um 12 Uhr kam sie dann, das Gesicht war etwas freundlicher, aber ihr Vater sei zwar zu Hause, aber krank. Allmählich wurde ich sauer. Ich nahm sie dann an die Hand und wir marschierten zu ihr nach Hause. Den Vater bekam ich nicht zu Gesicht, später stellte sich heraus, dass er Alkoholiker ist und ich ihn nicht sehen sollte. Die Mutter ist bei Rakhis Geburt gestorben. So „unterhielten“ wir uns wieder mit der Tante und dem Onkel, in der Mitte der Flyer vom Sambhali Trust. Ich stellte klar, dass es um Rakhis Zukunft ginge und wie wichtig doch ein Schulbesuch wäre und dass wir für die Schulkosten doch aufkommen würden. Nach einer Stunde hatten wir es geschafft, der Onkel war bereit, er zog sich noch etwas an und wir machten uns mit Rakhi, dem Onkel und einem Tuck Tuck auf den Weg zu Govind Rathore, dem Leiter des Sambhali Trust. Als wir bei Govind ankamen, kam er gleich auf uns zu. Er unterhielt sich zuerst kurz mit Rakhi, danach längere Zeit mit dem Onkel. Eine Frau führte Rakhi und den Onkel dann durch das Haus und sie bekamen ausführliche Informationen. Govind sagte uns, dass sie zu den „Untouchables“ gehören, die vor einiger Zeit nach Jodhpur kamen. Er sagte, dass es nicht leicht werden würde. Da ja gerade Ferien waren, sagte Govind zum Onkel, an welchem Tag und an welchem Platz Rakhi warten sollte. Es wird dann ein Fahrer kommen und Rakhi abholen. Naja, der erste Schritt war getan. Am Nachmittag kauften wir für Rakhi noch was zum Anziehen und Schuhe für die Schule. Der Onkel gab sein Versprechen, für Rakhi zu sorgen und dass sie auf jeden Fall zur Schule gehen könne. Das ist unser letzter Stand. Wenn Govind wieder in Jodhpur ist, wird er uns informieren, wie es Rakhi geht. Wir sind gespannt.“

Wir waren alle etwas skeptisch. Aber wir können heute vom Happy End berichten: Für einen Schulbeginn war der Zeitpunkt nicht gut, denn das Schuljahr hatte bereits mehrere Monate vorher begonnen. Aber es erreicht uns aus Jodhpur die Nachricht, dass Rakhi jetzt regelmäßig zum Unterricht ins Sambhali-Center kommt, wohin sie auch noch eine Freundin mitbringt.

Rakhi 423 klein

Der Besuch des Centers ist eine gute Vorbereitung für die Schule. Rakhi wird dabei durch Familie Schober unterstützt, die die Riksha-Kosten für den Weg ins Center für Rakhi übernimmt. Die Lehrer vom Trust berichten uns, dass Rakhi sehr eifrig ist, intelligent und gut lernt. Wir hoffen, dass Rakhi ab Juli in eine richtige Schule gehen kann und will. Der Sambhali Trust wird für sie eine Schule nahe ihres Zuhauses suchen.

Wir werden versuchen, Sie weiterhin über Rakhis Werdegang zu informieren.

Alle Fotos in diesem Beitrag: © Familie Schober

Advertisements

Ein Gedanke zu „Rakhi – ein indischer Traum: vom Müllkind zum Schulmädchen

  1. Pingback: Rakhi – ein indischer Traum: vom Müllkind zum Schulmädchen | Zeig doch mal die Bilder!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.