Sambhali Fotoworkshop mit Stefan Schober

60Angefangen hat alles im September 2013, als wir unser Patenkind Rakhi in Jodhpur kennenlernten.

Damals streifte ich oft mit meiner Kamera durch Jodhpurs Gassen und um den Clocktower. Jedes Mal, wenn ich Rakhi und ihre Freundinnen traf, fragten sie sofort, ob sie mit meiner Kamera ein paar Fotos machen dürften. Da ich selbst ein begeisterter Fotograf bin, hatte ich natürlich nichts dagegen. Ich sah, wie begeistert die Mädchen von der Fotografie waren und wie viel Freude es ihnen bereitete. Es ist auch heute noch etwas außergewöhnliches in Indien, Mädchen und Frauen in der Öffentlichkeit fotografieren zu sehen.

Zu Hause überlegte ich, wie ich Sambhali weiter unterstützen und evtl. auf diesem Erlebnis aufbauen kann. Die Idee des Fotoworkshops war geboren. Ich fragte Govind, was er davon halten würde. Er war natürlich einverstanden. Ich hatte nun ein Jahr Zeit, mich darauf vorzubereiten. Über ebay besorgte ich sechs Spiegelreflexkameras Canon EOS 300 D, das Equipment für ein Fotostudio und fertigte verschiedene Poster für den Unterricht an. Mit 20 kg Fotoausrüstung machten Monika und ich uns im September 2015 auf den Weg nach Jodhpur. Am ersten Tag waren Bunty und ich unterwegs, um schwarzen Stoff für den Hintergrund und dünne Sperrholzplatten für die Reflektoren zu besorgen. Es war dann Wochenende, ich bekam einen Raum in zweiten Stock des Empowerment-Centers zugewiesen und hatte genügend Zeit, das Fotostudio aufzubauen.

Nach dem Wochenende sollte es mit der ersten Gruppe los gehen, ich war schon ganz aufgeregt. Wie jeden Montag trafen sich die Schülerinnen um 10 Uhr im Empowerment-Center im sewing room.

Es begann mit einer Morgenrunde mit beten und singen. Divya, die für Sambhali arbeitet und u. a. für den Englischunterricht zuständig ist, war meine Ansprechpartnerin. Ich stellte mich den Frauen und Mädchen vor und gab einen kurzen Überblick über den Workshop. Sie waren nun dermaßen begeistert, dass alle am liebsten sofort anfangen wollten. Es wurde dann entschieden, dass wir in der ersten Woche mit den jüngsten starten, ungefähr 5 – 8 Mädchen und zwischen 11 und 16 Jahre alt.

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Wir gingen dann in den vorbereiteten Fotoraum, machten eine Vorstellungsrunde und begannen mit der Theorie „basic of the photography“. Divya half mir am ersten Tag und übersetzte von Englisch in Hindi. Ich erklärte mit Hilfe eines „Whiteboards“ und meinen Postern den Aufbau einer Spiegelreflexkamera, die einfachen Bedienungsschritte der Canon EOS 300 D, was ist Blende, Verschlusszeit, Tiefenschärfe und Autofokus. Zum Schluss machten wir mit den Kameras im Treppenhaus die ersten Aufnahmen und beurteilten die Ergebnisse am Laptop. Die Begeisterung über die selbst gemachen Bilder war groß, hatte doch noch keine von ihnen jemals so einen Kamera in der Hand. Leider ging der erste Tag viel zu schnell vorbei, um 13 Uhr stand hupend der Kleinbus bereit und brachte die Mädchen nach Hause.

Die Mädchen knüpften am zweiten Tag dort an, wo sie den ersten beendet hatten, voller Euphorie. Nach einer kurzen Wiederholung stand heute „Portraitfotografie im Freien mit dem Sonnenlicht“ auf dem Programm. Wir suchten verschiedene Stellen im Schatten um das Haus, denn das Sonnenlicht war zu grell für die Portraits. Aber auch der schöne Innenhof des Setrawa Hauses war für Portraits bestens geeignet. Und hier waren die Mädchen in ihrem vollen Element, hier konnten sie posen nach Herzenslust. Sie entdeckten dadurch immer wieder andere Seiten an sich.

Ich hatte auch zu kämpfen, und zwar mit der Hitze. Um die Mittagszeit hatten wir 40 Grad. Wir besprachen dann noch den nächsten Tag, ich wollte gerne mit den Mädchen in Jodhpur unterwegs sein und mit ihnen etwas „street-photography“ machen. Wir entschieden uns für den Bereich „Downtown/Clocktower“. Der Kleinbus brachte uns direkt an den Glockenturm im Zentrum der Altstadt. Und ich gab den Mädchen eine Aufgabe: sie sollen sich vorstellen, eine Brieffreundin in Europa zu haben und ihr mit ein paar Fotos zeigen, wie faszinierend das Leben in Jodhpur ist.

Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten (am Anfang waren sie sehr schüchtern) und mit vereinten Kräften von Divya, Monika und mir klappte es wunderbar. Und wir erregten ganz schön Aufsehen bei den Bewohnern Jodhpurs. Es kommt eben nicht alle Tage vor, dass rosa gekleidete Mädchen von Sambhali mit Kameras bewaffnet durch Jodhpurs Gassen ziehen.

Am vierten Tag war „Portraitfotografie im Studio mit Kunstlicht“ angesagt. Wir hatten vier Studiolichter mit unterschiedlichen Beleuchtungsstärken, zwei Reflektoren mit unterschiedlichen Beschichtungen und ein Stativ zur Verfügung. Es bildeten sich Paare, die abwechselnd das Model waren oder die Beleuchtung/Reflektor bedienten. Und die Mädchen hatten ein Riesenspaß. Dank der WIFI Card in der Kamera wurden die Fotos nach der Aufnahme direkt auf den Laptop übertragen. Somit konnten die Mädchen die Ergebnisse gleich beurteilen. Wie auch an den Tagen davor verging die Zeit wie im Flug.

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Am 5. Tag hatten alle die Qual der Wahl. Zu Beginn des Fotoworkshops wurde vereinbart, dass jedes Mädchen mit ihren Bildern ein Fotoalbum erstellen darf. Und daher musste jedes aus ihren vielen hundert Bildern, die sie während der Woche gemacht hatten, 25 auswählen. Was am Anfang als ein Ding der Unmöglichkeit erschien, klappte dann am Ende doch einigermaßen. Ich habe den Blick der Mädchen noch in den Augen, wie stolz sie waren, als sie ihr eigenes, selbstgemachtes Fotoalbum mit nach Hause nehmen durften.

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In der zweiten Woche war die nächste Gruppe  an der Reihe (Alter bis ca. 19 Jahre), in der 3. Woche die, deren Englischkenntnisse  am weitesten fortgeschritten sind (Mädchen und erwachsene Frauen). Diese Fotoworkshops liefen genauso ab, außer dass wir am 3. Tag nicht am Clocktower/Downtown waren, sondern im Meherangarh-Fort, dem ehemaligen Maharaja Palast hoch oben auf dem Berg über Jodhpur. Für mich waren die fünf Wochen eine wahnsinnig intensive Zeit, wovon ich keine Minute missen möchte. Ich genoss diese Zeit sehr, und (ich bin sicher) die Mädchen auch.

Stefan Schober

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